SumpfohreuleNorwegen & Finnland
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02 / Hinter der Kamera
Henk Reinicke mit Kamera und Teleobjektiv im Wald.

Henk Reinicke.

Eine Leidenschaft fürs genaue Hinsehen.
Fasziniert von den leisen Momenten.

Meine ersten Begegnungen mit Wildtieren hatte ich auf Waldspaziergängen mit meinem Vater, lange bevor ich eine Kamera dabei hatte. Mit zehn bekam ich meine erste eigene.

Mehr…Instagram @henks.pics ↗Tierfotografie · henks.pics
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Dem Pfeifen
folgen.

La Digue · Seychellen
Eine Begegnung, auf die es sich zu warten lohnte.

SeychellenparadiesschnäpperBegegnung & Artenschutz
Zwischen den Ästen von La Digue.

Wir waren schon seit mehr als zwei Wochen auf den Seychellen, doch einer der Vögel, auf die wir am meisten gehofft hatten, fehlte noch. Mein Vater und ich hatten bereits viele endemische Arten der Inseln gesehen und fotografiert. Der Seychellenparadiesschnäpper war allerdings einer der Hauptgründe für diese Reise gewesen. Um ihn zu finden, fuhren wir von Praslin nach La Digue. Uns blieb ein Tag, bevor uns die Fähre am Abend zurückbringen würde.

Als wir ankamen, jagten Feenseeschwalben am Hafen. Wir hatten sie bis dahin noch nicht gesehen und waren sofort von ihnen eingenommen: fast ganz weiß, mit dunklen Augen und einer außergewöhnlichen Leichtigkeit im Flug. Wir fotografierten sie eine Weile, bevor wir zum Veuve Reservat weitergingen. Auf dem Weg entdeckten wir ein wenig von der Insel, beobachteten andere Vögel und machten Pausen an Stränden, an denen Einsiedlerkrebse um uns herum unterwegs waren. Es gab viel zu sehen, auch wenn der Paradiesschnäpper nie ganz aus meinen Gedanken verschwand.

Die Art war dem Aussterben erschreckend nahe gekommen. 1965 wurde ihr Bestand auf La Digue auf nur noch 28 Vögel geschätzt.[1] Die Zahlen erholten sich allmählich. Eine Erhebung von 2001 schätzte den Bestand auf der Insel auf 218 bis 290 Individuen. La Digue beherbergte damals noch die letzte überlebensfähige Population.[2] Ihre Zukunft hing vom Erhalt des einheimischen Waldes ab. Zusätzliche Populationen auf anderen Inseln sollten außerdem verhindern, dass eine einzelne Katastrophe die ganze Art gefährden könnte. Nach der Wiederherstellung von Lebensräumen und der Beseitigung eingeschleppter Ratten wurden 2008 insgesamt 23 Paradiesschnäpper auf Denis Island angesiedelt. Dort begannen sie bald zu brüten.[3] Eine weitere Population wurde 2018 und 2019 auf Curieuse gegründet. Im Jahr 2020 wurde die Art auf der Roten Liste der IUCN von „vom Aussterben bedroht“ auf „gefährdet“ zurückgestuft. Das war eine deutliche Erholung, auch wenn der Verlust von Lebensraum weiterhin eine Bedrohung blieb.[4] Der Wald, den wir besuchen wollten, war ein Teil dieser noch nicht abgeschlossenen Geschichte.

Im Reservat liefen wir unter dem Blätterdach durch den feuchten Wald. Um uns herum waren Vögel unterwegs: Tauben, Fodys, Bülbüls und Mynas, gelegentlich ein Tropikvogel über den Bäumen. Wir erkundeten das Gebiet langsam, suchten zwischen den Ästen und beobachteten alles, was sich bewegte. Überall war Leben, nur von unserem gesuchten Vogel fehlte jede Spur. Je weiter der Tag voranschritt, desto häufiger dachte ich an die Rückfahrt mit der Fähre. Wir waren den ganzen Weg hierhergekommen, und langsam fragte ich mich, ob wir ohne eine einzige Sichtung wieder abreisen würden.

Zuerst
ein Pfeifen.

Dann hörten wir einen Ruf, den wir noch nie gehört hatten: ein auffälliges, melodisches Pfeifen, fast rhythmisch. Wir folgten dem Klang und suchten im Laub. Noch bevor ich den Vogel selbst erkennen konnte, sah ich eine lange, dunkelblaue Schwanzfeder, die sich leicht in der Luft bewegte. Kurz darauf flog ein Männchen in unser Blickfeld. Da war er endlich, der lange Schwanz hinter ihm zwischen den Ästen. Er war nah, saß aber kaum still. Immer wieder schoben sich Blätter und Zweige zwischen ihn und die Kamera. Uns gelang kaum ein freies Foto, bevor er wieder verschwand. Trotzdem war die Anspannung weg. Wir hatten ihn gefunden.

Wir blieben in der Nähe, lauschten und hofften auf eine weitere Gelegenheit. Als wir seinen Ruf erneut hörten, warteten wir, während er nach und nach näher kam. Irgendwann saß er nur wenige Meter vor uns, zu nah, um ihn mit meinem 500 mm Objektiv vernünftig zu fotografieren. Dann flog er ein kleines Stück zurück und landete ganz frei. Das Licht fiel wunderschön auf ihn, hinter seinem dunklen Gefieder wurde der Wald zu einem weichen grünen Hintergrund. Für wenige Sekunden passte alles zusammen. Genau dieses Foto hatte ich mir gewünscht, noch bevor wir auf La Digue angekommen waren. Ich fotografierte, dann flog er weiter.

Nach dieser Begegnung suchten wir weiter nach dem Weibchen. Schließlich sahen wir beide Vögel gemeinsam durch den Wald fliegen. Wir beobachteten, wie sie näher kamen, bis das Weibchen plötzlich ganz frei saß, ebenfalls in schönem Licht und vor ruhigem Hintergrund. Es sah so anders aus als das Männchen und war doch genauso schön zu beobachten. Einen Teil des Tages hatten wir noch gezweifelt, ob wir überhaupt einen der beiden sehen würden. Jetzt waren uns beide ganz nah begegnet.

Das Männchen mit seinen langen, dunklen Schwanzfedern.
Das Weibchen in ganz anderen Farben.

Danach saßen wir eine Weile einfach da und genossen den Wald, ohne noch so angestrengt zu suchen. Über uns begannen unglaublich viele Flughunde durch die Baumkronen zu fliegen. Es schienen mehr als hundert zu sein, und der Lärm über unseren Köpfen wurde zu einem eigenen Spektakel. Später tauchte der Paradiesschnäpper noch einmal zwischen den grünen Ästen auf. Inzwischen hatte ich die Bilder, die ich mir gewünscht hatte. Wir konnten ihm einfach noch ein wenig zusehen, bevor es Zeit wurde zu gehen.

Auf dem Weg zum Ausgang begegneten wir schließlich noch einem Weibchen, das auf seinem Nest saß. Nachdem wir die Vögel den ganzen Tag so schnell durch den Wald hatten fliegen sehen, war dieser ruhige Anblick besonders. Wir machten nur wenige Fotos und gingen weiter, um sie nicht zu stören. Es war ein leiser Abschluss für einen Tag, auf den wir uns so lange gefreut hatten.

Eine letzte Begegnung auf dem Weg nach draußen.
Aus dieser Begegnung

Ein Stück
Wildnis für dich.

Fotografien von La Digue als ungerahmte Prints mit weißem Rand.